Modul B intensivVorkurs Deutsch 240

Grundlagen · 3 Kapitel

Wie Kinder Sprache lernen

Das „Betriebssystem“ für alle acht folgenden Sprachkompetenzen: Wozu der Vorkurs eigentlich da ist, wie unterschiedlich Kinder starten, und warum Sprache vor allem in Beziehung entsteht.

Kapitel 1 von 3

Sprachliche Teilhabe als Ziel des Vorkurses

Der Vorkurs ist kein isoliertes Sprachtraining, sondern ein Beitrag zur umfassenden Bildungsteilhabe eines Kindes.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sprachliche Bildung ist ein Prozess, kein Ereignis: Themen über mehrere Tage oder Wochen vertiefen, statt täglich zu wechseln.
  • Vorkursgruppen sind extrem heterogen – das ist der Normalfall. Das eigene Angebot fortlaufend an das beobachtete Kind anpassen.
  • Leitidee „Handlungsfähigkeit vor Vollständigkeit“: Wichtiger als jede grammatische Regel ist, dass sich ein Kind verständigen kann. Deshalb: nicht korrigieren, sondern modellieren.
  • Der Vorkurs ist Tandem-Arbeit zwischen Kita und Grundschule – gemeinsame Beobachtungsinstrumente schaffen eine gemeinsame fachliche Sprache.
Zum Nachlesen – Hintergrund und Quellen

Der Vorkurs als Entwicklungsprozess. Ein einzelner Vorkurstag zu einem Thema verpufft wirkungslos, wenn am nächsten Tag ein neues Thema folgt. Fortschritt verläuft nicht linear: Fortschritte, Plateaus, gelegentliche Rückschritte.

Kinder mit unterschiedlichen Ausgangslagen. Hart und Risley (1995) zeigen, wie groß Unterschiede schon vor Schuleintritt sein können – bis zu 25 Millionen Wörter Unterschied.

Sprachliche Handlungsfähigkeit als Leitidee. Bedeutet mehr als grammatische Korrektheit – Sprache tatsächlich zur Bewältigung realer Situationen einzusetzen. Verschiebt den Blick von der Instrukteurin zur Sprachbegleiterin.

Beitrag zum Übergang in die Schule. Die Tandem-Struktur sorgt dafür, dass Beobachtungen aus der Kita-Zeit nicht verloren gehen.

Quelle: Modul B (Neufassung), Teil II, Kapitel 1.1–1.4 – Diskussionsentwurf, fachliche Freigabe steht noch aus.

Kapitel 2 von 3

Kinder mit unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen begleiten

Vom Kita-Jahr über den Grad der Mehrsprachigkeit bis zu individuellen Lernvoraussetzungen: Keine dieser Dimensionen rechtfertigt ein eigenes, paralleles Programm.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kinder im vorletzten Kitajahr haben mehr Zeit: Die Schweigephase kann in Ruhe durchlaufen werden.
  • Kinder im letzten Kitajahr brauchen zielgerichtetere Förderung und genauere Beobachtung.
  • Mehrsprachigkeit ist keine Beeinträchtigung, sondern die Fähigkeit, in mehreren Sprachsystemen zu denken.
  • Kinder lernen unterschiedlich – auditiv, visuell, kinästhetisch. Ein vielfältiges Methodenrepertoire ist die Antwort.
  • Scaffolding-Grundsatz: so viel Hilfestellung wie nötig, so wenig wie möglich – kontinuierlich abbauen.
Zum Nachlesen – Hintergrund und Quellen

Vorletztes vs. letztes Kitajahr. Der Vorkurs läuft über rund 18 Monate. Im letzten Kitajahr rücken Kompetenzen für den Anfangsunterricht in den Vordergrund.

Mehrsprachig aufwachsende Kinder. Wichtig: die Unterscheidung zwischen normalen Erscheinungen des mehrsprachigen Spracherwerbs und tatsächlichem Förderbedarf.

Unterschiedliche Lernvoraussetzungen. Auditive Lerner profitieren von Liedern, visuelle von Bilderbüchern, kinästhetische von Theater und Rollenspiel.

Adaptive Unterstützung (Scaffolding). Beobachten, was ein Kind schon kann, und genau dort Hinweise geben, wo es sich schwertut.

Quelle: Modul B (Neufassung), Teil II, Kapitel 2.1–2.5 – Diskussionsentwurf, fachliche Freigabe steht noch aus.

Kapitel 3 von 3

Sprachlernen in Beziehungen

Kinder erwerben Sprache nicht durch Programme, sondern in der Beziehung zu den Erwachsenen und Kindern um sie herum – das Fundament für alle acht folgenden Kompetenzbereiche.

Das Wichtigste in Kürze

  • 80 % der Kommunikation, die beim Kind ankommt, wird körpersprachlich vermittelt, nur 20 % verbal.
  • Scaffolding: mindestens 4–5 Sprecherwechsel pro Gespräch; „Fehler“ wie „Der fallte“ im eigenen korrekten Satz aufgreifen statt korrigieren.
  • Sustained Shared Thinking: gemeinsam nachdenken statt nur Anweisungen zu geben – Vermutungen anbieten, gemeinsam spekulieren.
  • Translanguaging: Familiensprachen bewusst einbeziehen – Sprachwechsel ist eine legitime Ressource, keine Kompetenzlücke.
  • Eine sprachförderliche Umgebung lässt nach jedem Sprechversuch bewusst eine Pause, damit das Kind weitersprechen kann.
Zum Nachlesen – Hintergrund und Quellen

Warum Interaktionsqualität entscheidend ist. Die Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern ist das primäre Medium des Spracherwerbs (Pianta, 2006).

Sprachförderliche Interaktionen. Offene Fragen stellen, angemessenes Verhalten konkret anerkennen statt pauschal zu loben.

Scaffolding. Einbezug der Erstsprache, Modellieren korrekter Formen ohne explizite Korrektur, Gesten, Satzanfänge.

Sustained Shared Thinking. Aufmerksam zuhören, das Gesagte rekapitulieren („Du denkst also, dass …“), alternative Sichtweisen anbieten.

Translanguaging. Bilinguale Kolleginnen, Eltern oder ältere Geschwister als Sprachressource einbeziehen.

Sprachförderliche Lernumgebungen. Interessante Materialien, reichlich Zeit zum Sprechen, Rollenspielbereiche.

Quelle: Modul B (Neufassung), Teil II, Kapitel 3.1–3.6 – Diskussionsentwurf, fachliche Freigabe steht noch aus.

Praxisimpulse: gleich ausprobieren

Sprachschatzkiste der Familiensprachen – Mehrsprachigkeit als Schatz sichtbar machen, nicht als Defizit.

Weiter zu den 8 Sprachkompetenzen →